Soeben erschienen ist der schöne Band von Ulrike Kadi / Gerhard Unterthurner (Hrgs.): Wahn. Philosophische, psychoanalytische und kulturwissenschaftliche Perspektiven, Wien: Turia + Kant Verlag 2011
, der die verschiedenen Facetten des Wahns untersucht.
Darin auch ein Beitrag von mir zum Thema “Eifersucht. Zwischen Wahn und Wirklichkeit” (S.37-69), in dem ich der imaginären Dimension der Eifersucht nachspüre, ihrem unerbittlichen Drang “sehen zu müssen”. Ich gehe diesem gerne übersehenen Aspekt der Eifersucht an drei Beispielen nach: Tolstois Erzählung “Die Kreutzersonate”, Chabrols Film “L’Enfer”, Millets autobiografischem Récit “Jour de Souffrance”. Nimmt man ernst, dass jede Eifersucht eine Leidenschaft des Imaginären ist, dann muss eine kognitivistische Deutung der Emotionen korrigiert und um strukturalistische und genealogische Elemente erweitert werden. Beides ist, so scheint mir, nur im Rückgriff auf psychoanalytische Theoriebildung möglich. Mit einer kurzen Skizze eines solchen erweiterten Realismus der Eifersucht endet der Text. [PDF]
Mit dieser Doppelfigur – Infantilität als zeitliche und strukturelle Voraussetzung der Vernunft – erfährt der Gedanke der Genese eine genealogische Verschärfung. Wenn wir davon ausgehen, dass Emotionen mit jenen psychischen Kräften zusammenhängen, aus denen sich rationale Vermögen erst herausbilden, so verliert die kognitivistische These an Plausibilität. Emotionen sind nicht Urteile, die sich darüber hinaus auch noch irgendwie anfühlen. Das emotionale (psychische) Leben beginnt deutlich vor dem vernünftigen. Emotionen sind daher eine Weise, in der das Infantile in den ‘Raum der Gründe’ hineinragt.
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