Besprechung von Peter Geimer: Bilder aus Versehen. Eine Geschichte fotografischer Erscheinungen. Philo Fine Arts, Hamburg 2010, in: Neue Zürcher Zeitung, 13. Oktober 2010
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Besprechung von Peter Geimer: Bilder aus Versehen. Eine Geschichte fotografischer Erscheinungen. Philo Fine Arts, Hamburg 2010, in: Neue Zürcher Zeitung, 13. Oktober 2010
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Einer Arbeit von Robert Montgomery bin ich erstmals auf der diesjährigen SCOPE Art Show in Basel begegnet. Der Name war mir bis dahin unbekannt. Das schlichte Holzgerüst mit den darauf montierten LED-Lettern stand gleich am Anfang der Ausstellung. THE PEOPLE YOU LOVE BECOME GHOSTS INSIDE OF YOU AND LIKE THIS YOU KEEP THEM ALIVE lautete die Botschaft. Der Satz – und die Stimmung, die er erzeugte – hat mich durch die ganze Ausstellung begleitet. Und darüber hinaus: Er ist inzwischen selbst zu einer Art “Gespenst” geworden. [Read more →]
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In der Neuen Zürcher Zeitung von gestern findet sich ein hoch interessanter Artikel zur Verschleierungsdebatte, der die rechts- und sozialphilosophischen Hintergründe dieser in vielerlei Hinsicht verqueren Diskussion auszuleuchten versucht. Uwe Justus Wenzel setzt pointiert und gewohnt umsichtig eine Stellungnahme der amerikanischen Philosophin Martha Nussbaum aus der New York Times ins Verhältnis zu einem den Entwurf des Verschleierungsverbotes begleitenden Berichts (“rapport d’information”) der französischen Nationalversammlung. Wie Wenzel deutlich macht, sind hier unterschiedliche Voraussetzungen und Hintergrundannahmen im Spiel.
Nussbaum argumentiert kraftvoll von der philosophischen Grundidee eines liberalen Staatswesens her. Der Staat hat sich in Fragen des religiösen Gewissens wie auch in Hinblick auch auf andere Unterschiede rassischer, ethnischer oder geschlechtlicher Art “differenzblind” zu verhalten. [Read more →]
Tags: Alterität · Blick · Gemeinschaft · Levinas · Sartre · SchleierNo Comments.
Es war nur eine Frage der Zeit: Southpark hat sich Facebook vorgeknöpft. Und wie schon so oft trifft die Analyse der kanadischen Trickfilmer den Nerv der Sache. Worum geht’s? Die Episode mit dem Titel „You have 0 friends“ dreht sich um die Erfahrungen und Nöte von Stan, der nicht bei Facebook ist. Und dort auch nicht sein will. Doch eines Tages ist Schluss mit der splendid isolation. Seine Freunde überraschen ihn mit der Nachricht – surprise! –, dass sie einen Facebook-Account für ihn eingerichtet haben. Damit ändert sich für Stan mit einem Schlag alles. Der „Status“ seiner Beziehungen zu Freunden, zur Familie, zu seiner Freundin verändert sich von heute auf morgen. Es beginnt eine Odyssee, in der Stan eine Reihe von seltsamen Begegnungen und Erfahrungen macht, in der er mit den fremden Mächten, den Profilen, die das „Café World“ beherrschen, zu kämpfen hat und die ihn letztlich in seine frühere offline-Existenz zurückführen wird. [Read more →]
Tags: Facebook · Gemeinschaft · Netzwerke · SouthparkNo Comments.
Neulich wiedergesehen: Vivement Dimanche! von François Truffaut (1983). Ein seltsamer Film. Vieles zugleich und nichts wirklich, eignet sich der letzte Film von Truffaut kaum für das, was man gerne ein filmisches „Vermächtnis“ nennt. Ein Unterhaltungsfilm in der Tradition des „film noir“ ist er gewiss, doch wird das wiederum durch die deutliche Stilisierung (schwarz-weiss im Jahr 1983) und die zahlreichen Anspielungen aufgewogen, die den Film genremässig in eine eigentümliche Schwebe versetzen. Ein simpler „polar“, wie die Franzosen die Kriminalfilme nennen, eine Liebesgeschichte, ein ironisches B-Movie, ein Film-Film für Cinéasten – Truffaut lockt uns auf verschiedene Spuren. „Le roi s’amuse“ heisst das Theaterstück von Victor Hugo, das die Protagonistin Barbara Becker (Fanny Ardant) neben ihrer detektivischen Spurensuche mit einer Laientheatertruppe probt, und vielleicht sollte man das so verstehen: Der König (hier: Truffaut) beliebt zu scherzen.
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Das Magazin der Zeit bringt anlässlich der Einzelausstellung im Hamburger Kunstverein eine Bildstrecke des Fotografen, Werbers und Designers Daniel Josefsohn. Unter dem etwas bierbiederen Titel „Die Welt mit Humor sehen“ ist da ein Querschnitt aus verschiedenen fotografischen Projekten des Künstlers zu sehen. Vieles ist gut gemacht, wirklich beeindruckend aber sind die Portraits von jüdischen Soldaten („Jewing Gun“) und die Serie, in der Josefsohn Menschen an weltweit bekannten locations mit Star Wars Stormtrooper-Masken posieren lässt. Der Effekt dieses Kunstgriffes ist erstaunlich. Als eine Art visueller V-Effekt anonymisieren die Masken die Personen, die sie tragen, verleihen ihnen aber in Hinblick auf die Reihe eine unheimliche Identität. Ob in Guantanamo Bay, auf dem Tiananmen oder an der Klagemauer in Jerusalem (so informieren uns die Legenden) – es scheint, als ob über alle Unterschiede der Situationen hinweg eine fremde Macht sich der Protagonisten bemächtigt hätte. [Read more →]
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Der Erfolg der sozialen Netzwerke scheint auch die Sozialwissenschaften zu inspirieren. James H. Fowler und Nicolas A. Christakis, zwei renommierte amerikanische Sozialwissenschaftler, stellen in ihrem Buch Connected. The amazing Power of Social Networks and how they shape our lives (2009) die Behauptung auf, dass sich Eigenschaften, Verhaltensweisen und Überzeugungen über soziale Netzwerke ausbreiten. So erhöht etwa die Tatsache, einen übergewichtigen Freund zu haben, die Wahrscheinlichkeit auch für mich, an Gewicht zuzulegen. Dieser Zusammenhang einer wechselseitigen Beeinflussung wird jedoch nicht nur für meinen Freund, sondern interessanterweise auch für den Freund meines Freundes geltend gemacht. So soll es möglich sein, dass sich zwei Menschen Eigenschaften weitergeben, die sich persönlich gar nicht kennen. Noch dazu über Vermittlung eines Dritten, der gegenüber der weitergegebenen Eigenschaft auch noch immun sein kann.
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